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Im Jahr 1964 beschloss Peter, dass er an Weg finden musste, um auch im Winter Gäste ins Café zu bringa. Damals wars Alpine Skifahren noch koa Sport, der für jedermann zugänglich war. Vor ned allzu langer Zeit mussten die Skifahrer dicke Felle aufziehen und die Berge raufwandern. Heid is des wia unsere Skitouren. Es gab koa andere Möglichkeit ned, wenn ma Skifahren wollt. Aber um ca.1960 begannen einige Orte, Lifte zu bauen und die Berge für mehr Tourismus und an Wintersport zu öffnen.
Als Berufsjäger hod Peter natürlich scho früh as Skifahren glernt. A Skilift neben dem Café schien ihm also a guade Möglichkeit um Gäste anzulocken. Im Herbst gab er seinen ersten Schlepplift beim Maschinenbauer Eder aus Ruhpolding in Auftrag. Es war a 8-Personen-Schlepplift und kostete 5000 DM. Sepp Eder schlug eam vor, dass er den Lift im Frühjahr bezahlen ko, wenn die Saison vorbei war. Was für a Glück, dass es im Winter 1964 so extrem vui Schnee gab! Es waren rund 100 Skitage hier im Achental und Peter konnte dem Maschinenbauer an vollen Betrag bezahlen. Der erste Schlepplift war no ned so wia ma se heid kennt. Er hatte auf jeder Seite 8 Griffe zum Festhalten. Er brachte also 8 Personen hoch, dann wechselte der Betreiber die Richtung und weitere 8 Personen fuhren auf der anderen Seite hinauf. Der verbrauchte so vui Strom, dass die Lichter in der Stube bei den Aigners flatterten, wenn er eingeschaltet war. Dieser Schlepplift war dann einige Jahre in Betrieb, bis er durch einen moderneren Lift der Firma Multerer ersetzt wurde und as Flutlichtskifahren kam hinzu. Das Ganze ging dann bis 1981. Es gab a Eisstockschießen für diejenigen, die nicht Ski fuhren. Die Skischule Achental war a beständiger Besucher und hielt Kurse für Hausfrauen und Kinder ab. Gaukler Hilde von der Skischule Achental erinnert sich an einen Skifahrer, der ned zu bremsen war und über die Motorhaube eines geparkten Autos direkt auf den Parkplatz fuhr! Nachm Skifahren war natürlich no Zeit für Kaffee und Kuchen oder vielleicht an Hüttengeist oder a Bier im Café. Wir hören immer no von Leuten, wie sie hier as Skifahren glernt ham und wie viel Spaß es gmacht hat. Auch den Aigner-Kindern hat es gefallen. Sie gingen vo der Haustür raus, ham sich die Skier angschnallt und san losgfahren. Peter sen. war im Lifthäusl und wenns den Kindern kalt war oder sie müde waren, konnten sie sich zu ihm setzen oder ins Café zur Irmgard gehen und se bei einem heißen Getränk stärken. Skifahren war damals a selbstverständlicher Teil des Lebens im Chiemgau und is a heid aus der Region nimma wegzudenken. Irmi und Peter begannen kurz nach der Heirat mit der Arbeit im Café Jägerwinkl, aber des taten sie net alloa. Peters Mutter, die im Haus aufgewachsen war, stand voll und ganz hinter den Beiden und war stets mit Rat und Tat an ihrer Seite. Sie erkannte, dass wie viele andere aus der Region, sie mehr als nur de Landwirtschaft brauchten, um eine erfolgreiche Zukunft zu hom. Der Tourismus war scho immer a gutes Nebengeschäft gwesen, aber nun füllte sich der Chiemgau mit Touristen aus den Städten. A Grund dafür war a die fortschreitende Mobilität. Deshalb begann Peter mit der Umwandlung seines Hauses in einen Betrieb. Im Herbst hams angefangen das Fundament für den Café-Anbau per Hand auszuheben, damit die Mauerer im zeitigen Frühjahr mit dem Bau ofanga konnten. Irmi hatte a scho a kloanes Kind zu versorgen, aber mit der Unterstützung ihrer Mutter und Schwiegermutter fand sie Zeit, das Geschäft von innen zu organisieren und die Zimmer, das Café und die Küche für die Gäste vorzubereiten.
Trotzdem hod Peter net das Gefühl ghabt, dass seine Ausbildung zum Berufsjäger erm auf sei neues Leben als Wirt vorbereitet hod. Also beschloss er nu mal die Schulbank zu drücken und an Servierkurs zu belegen, um ein Grundwissen über das zu erlangen, was von ihm erwartet werden würd. Du kannst da vorstellen, was des für a Unterschied zu seinem früheren Leben war! 1964 war es dann endlich soweit. Das Café/Pension Jägerwinkl öffnete ihre Pforten. Kurz bevor die ersten Übernachtungsgäste komma san, bemerkte Irmi, dass die Glühbirne in ihrem Zimmer ausgangen war. Sie war grad im Kramerladen in Piesenhausen, als ein Auto mit Berliner Kennzeichen vorbeifuhr und sie wusste wohin diese wollten. Schnell! Sie eilte zurück auf ihr Fahrradl und ging durch die Hintertür um die Glühbirne zu wechseln, während ihre Schwiegermutter die Gäste an der Haustür begrüßte. Es war so wichtig, an guaden ersten Eindruck zu machen! Die san glei zwei Wochen geblieben und ham bar bezahlt. Des hat gut getan! Während der Bauzeit, kamen immer wieder neugierige Besucher vorbei, um den Fortschritt zu sehen. Irmi hielt die Wirtshauslampe abgedeckt, um zu zeigen, dass sie nu net geöffnet warn. Aber eines Tages kamen drei Kinder aus Rottau vorbei. Da dachte Irmi, es wäre an der Zeit es zu versuchen. In kürzester Zeit verkaufte sie ihren Kuchen und die Gäste sagten, dass sie am nächsten Tag wiederkommen würden, um mehr zu holen! Und so so hods ogfanga! Zwoa Trachtenvereine... In den 50er Jahren gabs in Marquartstein zwoa Trachtenvereine. Dies war nicht nur a Highlight für die Gäste, sondern in erster Linie a für die Dorfjugend. Und da war ganz sche was geboten! Jede Woche war a Heimatabend in Piesenhausen und oina in Marquartstein, und beide waren von Einheimischen und Gäste gut besucht!
Wenn Peter ins Tal zurückkam, war er an den Wochenenden auch dabei. So kams auch, dass sich Peter und Irmgard auf den Weg zum Trachtenfest in Hittenkirchen kennenglernt ham. Irmgard kam von der anderen Seite des Tals in Marquartstein. Ihr Vater war a Schreinermeister und beliebter Werklehrer vom Landschulheim Marquartstein. Irmi hat damals grad a Lehre als Hauswirtschafterin, in dem Landschulheim ogfanga. Die Ausbildung wurde unter den strengen Augen der Ordenschwester geleitet. Früh musstens aufstehen und lang hams arbeiten müssen, aber die Mädels ham viel gelernt. Nach dem ersten Spaziergang mit Peter in Hittenkirchen waren die zwei lang beinand bis sie gheiratet ham. In der Zeit hams viel über die gemeinsame Zukunft nachdacht und gesprochen. Die Entscheidung ein Café und die Pension aufzumachen wäre für Peter ned möglich gwesen wenn er net so a Frau wie die Irmgard gehabt hät. Ihre Ausbildung und de Erfahrungen ham sie gut vorbereitet, Wirtin des Cafés Jägerwinkl zu sei und mit deren Ehrgeiz ham sich de zwei eine neue Zukunft geschaffen. Gäste in der Stuben... "Scho vor dem Jahr 1900 war Marquartstein a Urlauberort für Besucher aus ganz Deutschland. So is koa Wunder, dass im Jägerwinkl fast von Anfang o, neben der Landwirtschaft auch Fremdenzimmer angeboten wordn san. So wars zu der Zeit auf vielen Bauernhöfen. Die meisten Gäste san mit der Bahn ogreist. Damals hod Marquartstein einen eigenen Bahnhof ghobt und war somit a wichtiger Standort im Achental. Und als Elisabeth und Mathias Aigner aus Piesenhausen heirateten war es klar, dass die beiden das Haus mit den Gästen teilen werdn.
Peter Aigner sen. is als zweites Kind von Elisabeth und Mathias geboren. Er hod sei berufliches Leben als Holzknecht und Berufsjäger in den 50er Jahren ogfanga. Es war a anstrengende Arbeit, aber seine Liebe zur Natur und den Tieren hat er jeden Tag leben dürfen. Als Berufsjäger war er für die Tiere verantwortlich und er hat auch das Jagdhaus im Rottauer Tal betreut. Oft san edle Gäste von der Stadt zum Jagdhaus gekommen, teilweis sogar Prominente und Filmstars! Vielleicht wars die Freude an der Natur oder die einfache Gemütlichkeit am Berg, die seinen Gästen so gefallen hat. Peters Erfahrung mit Gäste hat ihm jedenfalls geholfen. Freunde ham ihm gsagt, er sollt mit seiner Frau Irmgard a Café aufmacha. Die Kuchen von Irmi waren scho im Dorf bekannt und der Jägerwinkl liegt so schön idyllisch! A idealer Platz. Darum ham sich die beiden entschlossen ihr Glück in die Hand zu nehmen und ham 1964 einen Teil des Elternhauses zum Café Jägerwinkl umgebaut." |
AutorenMargaret Huschle-Aigner, Peter Aigner mit Unterstützung von Caroline Forster Archiv |